Auch die Vögel sind fort von Yaşar Kemal | Roman | ISBN 9783293200456

Auch die Vögel sind fort

Roman

von Yaşar Kemal, aus dem Türkischen übersetzt von Cornelius Bischoff
Buchcover ISBN 9783293200456
Frankfurter Allgemeine Zeitung: In Kemals Erzählung werden Veränderungen in der Stadt, die Zunahme ihres Tempos und das Zurückweichen alter Sitten und Gebräuche in der Bevölkerung wie auf einem Seismographen angezeigt.
Tagesspiegel: Am Ende kommt die türkische Metropole tatsächlich schlecht weg. Die Zeiten haben sich gewandelt – und wie. Hässliche Wohnhäuser aus Beton haben sich aufgetürmt, heißt es. Der Fortschritt bestimmt die Menschen, Hast und Hektik, die neue Zeit eben. Skepsis hat die Gläubigkeit ersetzt, Habgier die Freude am Leben. Wieder bezaubern Kemals Naturbeschreibungen; wieder beeindrucken seine Menschen, wieder besticht der klare, unprätentiöse Stil. Zudem charakterisiert der Schriftsteller verschiedene Stadtviertel: Für Dolapdere schreibt er eine Liebeserklärung. Als ›Zauberstadt‹ bezeichnet Kemal das Viertel voller ›Gescheiterter und Pechvögel aus aller Herren Länder‹. Und der Verlag hat das Büchlein wie ein kleines Schmuckstück gestaltet, mit einer stimmungsvollen Stadtsilhouette des Fotochronisten Istanblus, Ara Güler, versehen.
Neue Zürcher Zeitung: Kemal nutzt die Streifzüge der Buben mit ihren Vogelkäfigen zu poetischen Exkursen über Istanbuler Stadtviertel. Den Höhepunkt bildet der Taksim-Platz im Herzen Istanbuls. Die hungrigen Buben nehmen das Leben auf ihm mit allen Sinnen auf: die Rufe der Zeitungs- und Brezelverkäufer, den Glanz der mit Perlmuttfiguren verzierten Schuhputzerkästen, den Geruch der mit Petersilie und Tomatenscheiben garnierten Hackfleischbällchen. Herangezoomte Grossaufnahmen, leitmotivische Wiederholungen, mythische Überhöhungen und groteske Übertreibungen versetzen den Leser in die Erfahrunsweise der gleichzeitig überwältigten und von alledem ausgeschlossenen Protagonisten.
Buchprofile/Medienprofile: Yasar Kemal lässt den Erzähler diese Episoden aus dem heutigen Istanbul liebevoll und lebendig schildern und lässt die Brüche zwischen alten Traditionen und junger ungezwungener Lebenslust auch in modernen östlichen Gesellschaften aufleuchten. Eine zu Herzen gehende, unerwartet heitere Geschichte, unkompliziert und mitreißend erzählt. Für jede Bücherei aus vollem Herzen empfohlen.
WDR 3: Auch hier bezaubert wieder Kemals Staunen über den Reichtum und die Vielfalt und die Wunder der Natur; auch hier beeindrucken seine Menschenbeschreibungen und seine Verwunderung über die, so Kemal, ›Menschenkinder‹, diese ›seltsamen und unberechenbaren Geschöpfe‹. Und der Verlag hat das Büchlein wie ein kleines Schmuckstück gestaltet.
foglio: Mit seinem jüngsten Werk hat Yasar Kemal nicht nur seinem Volk, sondern vor allem den Träumern, Nostalgikern und gescheiterten auf der Welt ein mutiges, unendlich poetisches Denkmal gesetzt.
Salzburger Nachrichten: Yasar Kemal, der menschenfreundliche Autor, der aus Anatolien kommt, schreibt eine Parabel über den Umbruch der Zeit und welche Opfer er fordert. Er schlägt sich auf die Seite der ›Losverkäufer, Herumtreiber, Schneider-, Schlosser-, Schmiedelehrlinge‹, denen Zukunft verweigert wird.
Tages-Anzeiger: Eine Erzählung von fast kindlicher Einfachheit und doch keine unbeschwerte Kindergeschichte.
Schweizer Bibliotheksdienst: Jedem empfohlen, der nachdenken möchte.

Auch die Vögel sind fort

Roman

von Yaşar Kemal, aus dem Türkischen übersetzt von Cornelius Bischoff

Jeden Herbst gehen die Vögel in Schwärmen auf einem Strand vor Istanbul nieder. Seit den Tagen des alten Byzanz will es die Sitte, dass die Städter sie vor den Moscheen, Kirchen und Synagogen kaufen und wieder freilassen. Sie sollen an der Pforte des Paradieses Fürbitte leisten.Als aber drei Gassenjungen ihre vollgestopften Käfige auf Istanbuls Plätze tragen, ernten sie nur Spott und Hohn. Man beschimpft, verjagt die Jungen und hetzt die Polizei auf sie. Mit knurrenden Mägen, leeren Taschen, enttäuscht und erniedrigt, kehren sie zurück. Yasar Kemals Istanbul ist eine farbige, brodelnde Welt. Spitzbuben und Tagträumer, Gestrandete und Gescheiterte leben an den Rändern einer Stadt, die, gleichgültig und hektisch geworden, keine Ruhe mehr findet für die großzügige Geste, wo sich keine Hand mehr öffnet, nur um Freiheit zu schenken.