Das unerledigte Vergangene | Konstellationen der Erinnerung | ISBN 9783958320581

Das unerledigte Vergangene

Konstellationen der Erinnerung

herausgegeben von Emil Angehrn und Joachim Küchenhoff
Mitwirkende
Herausgegeben vonEmil Angehrn
Herausgegeben vonJoachim Küchenhoff
Buchcover Das unerledigte Vergangene  | EAN 9783958320581 | ISBN 3-95832-058-9 | ISBN 978-3-95832-058-1

Das unerledigte Vergangene

Konstellationen der Erinnerung

herausgegeben von Emil Angehrn und Joachim Küchenhoff
Mitwirkende
Herausgegeben vonEmil Angehrn
Herausgegeben vonJoachim Küchenhoff
Die Herausforderung der Erinnerung liegt nicht nur in der Überbrückung der Zeiten oder darin, die Kluft zwischen Damals und Heute, zwischen Fremdem und Eigenem zu überbrücken, um Vergangenes zu rekonstruieren und Vergessenes zurückzugewinnen. Die Schwierigkeit der Erinnerung kann auch darin liegen, dass das Vergangene selbst sich der Rückschau entzieht, dass es in sich dunkel und verstellt, unerkenn-bar und unerinnerbar ist. Im Vergangenen kann ein Unerledigtes sein, das sich der Erinnerung widersetzt und zugleich nach ihr verlangt.
In verschiedener Weise hat Geschichtsreflexion die Auseinandersetzung mit einem unerledigten Vergangenen gezeichnet. Kritische Historie will unterdrückten Geschichten Sprache verleihen. Kulturge-schichte will das unabgegoltene Potential von Neuerungen erschließen, die sich nicht durchsetzen konnten. Psychoanalyse reflektiert die nachträgliche Verfestigung von Erfahrungen, die im Zeitpunkt des Geschehens nicht verstanden und deshalb gar nicht wirklich erlebt werden konnten. Die Aufarbeitung des Vergangenen soll dem Verdrängten zur Artikulation verhelfen. Biographische Besinnung kann sich den verschütteten Erlebnissen zuwenden und dem nicht gelebten Leben Ausdruck verleihen. Zum Vergangenen gehört neben dem Wirklichen das Marginalisierte, das Unentwickelte und Unabgegoltene.
Die Seite des Unerledigten und Unterdrückten bedeutet für das Gedächtnis sowohl eine Gren- ze wie eine Forderung. In ihm liegt die Schwie-rigkeit ebenso wie die Dringlichkeit des Erinnerns. Dem Vergangenen gerecht werden heißt auch unerfüllte Ansprüche und abgebrochene Entwicklungen ernst zu nehmen, das Vergangene auf seine Zukunft hin zu öffnen.